We are not drowning, we are fighting! Fight with us! – Rundreise mit Rev. Bhagwan, Fidschi

Ozeane in der Klimakrise 

Vom 26. September bis 3. Oktober 2019 organisierten  Fair Oceans und der Ozeanien-Dialog eine Speakers/Lobbytour mit Rev. James Bhagwan, Generalsekretär der Pazifischen Kirchenkonferenz.

Schon seit Jahren hinterlässt der Klimawandel in den Ozeanen und Meeren seine Spuren. Die Wassertemperaturen und der Meeresspiegel steigen, gleichzeitig nehmen der Sauerstoffmangel und die Versauerung des Meerwassers zu. Dies hat Auswirkungen auf die Strömungen und Wettersysteme und verändert die marinen Ökosysteme weltweit tiefgreifend. Insbesondere der Zustand sensibler Ökosysteme wie der von Mangrovenwäldern, Seegraswiesen und Korallenriffen verschlechtert sich dabei zunehmend. Verstärkt wird dies zudem durch andere negative Einflussfaktoren wie Überfischung, Lebensraumverlust, Überdüngung oder die Einwanderung neuer Arten. Die Prognosen sind dramatisch und der „Sonderbericht über die Ozeane und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima“ des IPCC präsentiert dazu den neuesten Stand der Wissenschaft.

Am deutlichsten zeigen sich die Folgen der Klimakrise in den Ozeanen für die Inselstaaten. Nicht umsonst also fordern diese seit vielen Jahren eine ambitionierte internationale Klimapolitik. Die sozialen Auswirkungen der Klimafolgen sind für Ozeanien umfassend und existenzbedrohend. Gesundheit, Küstenschutz, Ernährung und Wasserversorgung sind betroffen. Ganze Kulturen und ihre Lebensweisen sind vom Untergang real bedroht. Vor allem die ärmsten Küstengemeinden sind am stärksten von einer intakten Meereswelt abhängig und haben nur wenige Kapazitäten um auf die Klimakrise zu reagieren. Hier, im Südpazifik, zeigt sich, dass Meer und Land als Einheit, als flüssiger Kontinent betrachtet werden müssen.

 

„Der Sonderbericht des IPCC fasst nicht einfach den wissenschaftlichen Stand der Forschung zu den Klimafolgen für die Ozeane und Küsten zusammen, für uns beschreibt er eine Lebensrealität mit der wir uns schon heute konfrontiert sehen.“

 

Am 25.09.2019 hat der Weltklimarat in Monaco seinen „IPCC-Sonderbericht über den Ozean und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima“ vorgestellt. Von besonderer Bedeutung ist der aktuelle Sonderbericht unter anderem deshalb, weil die Ozeane und Meere in der Klimapolitik zu lange vernachlässigt wurden. Anlässlich der gemeinsamen Rundreise  sagt der Generalsekretär der Pazifischen Kirchenkonferenz, James Bhagwan zur Perspektive der pazifischen Inselstaaten: „Der Sonderbericht des IPCC fasst nicht einfach den wissenschaftlichen Stand der Forschung zu den Klimafolgen für die Ozeane und Küsten zusammen, für uns beschreibt er eine Lebensrealität mit der wir uns schon heute konfrontiert sehen.(…) Klimawandel ist unser Alltag. Wir im Pazifik verstehen uns nicht als bloße Opfer des Klimawandels. Ohne die Inselstaaten wären die Ozeane kaum Teil der UN-Agenda 2030 geworden, noch hätten wir die Orientierung auf 1,5 Grad in der Klimapolitik. Wir kämpfen und ich bin hier, um die deutsche Klimabewegung aufzufordern gemeinsam mit uns zu kämpfen.“

Kai Kaschinski, Koordinator von Fair Oceans, bewertet den IPCC-Sonderbericht: 
„Es wurden nicht nur Maßnahmen zum Klimaschutz seitens der Politik vernachlässigt. Wesentliche Aspekte des Klimawandels wurden ausgeblendet. Erst nachdem Fragen der Klimagerechtigkeit einbezogen und von den Industriestaaten akzeptiert wurden, kam wieder Bewegung in die internationalen Verhandlungen. Jetzt endlich mit der stärkeren Einbeziehung der Ozeane in die Klimapolitik können dringend notwendige Schutz- und Anpassungsmaßnahmen entlang der Küsten auf einer umfassenden Basis angegangen werden. Klima- und Meerespolitik sind von Grund auf globale Aufgaben, die nur übergreifend lösbar sind. Der Sonderbericht bestärkt uns in unserer Einschätzung der Entwicklung und wir sind sehr zufrieden, dass viele unserer Fragen aufgegriffen wurden. Allerdings wird es letztlich entscheidend sein, dass wir die Klimapolitik nicht isoliert betrachten. Maßnahmen gegen den Klimawandel dürfen weder den Arten- und Naturschutz gefährden noch Fragen der Menschenrechte und der Gerechtigkeit missachten.“

Jan Pingel, Koordinator des Ozeanien-Dialogs, führt weiter aus: „Von vielen wird unterschätzt, wie sehr wir mit den Weltmeeren verbunden sind. Unsere Ökonomie, unsere Städte, unsere Freizeit und eben nicht zuletzt unser Klima, alles hängt mehr oder minder stark von den Ozeanen ab. An den Kleinen Inselentwicklungsländern im Pazifik wird dies besonders deutlich. Die gesamte Existenz dieser Länder ist unmittelbar mit den Ozeanen verknüpft und damit heute unfreiwillig mit dem Erfolg einer international solidarischen Klimapolitik, die die Veränderungen in den Ozeanen einbezieht und ihnen ein hohes Gewicht gibt. Die Inselstaaten sind ansonsten die Ersten, die untergehen. Ihre Lage über Normalnull ist wahrsten Sinne der Gradmesser für den Erfolg oder Misserfolg der Klimapolitik.“

„Die Klimakrise und das Meer: Klimaschutz statt Korallensterben“ war auch das Thema eines von der Grünen Bundestagsfraktion veranstalteten Fachgesprächs im Deutschen Bundestag. Steffi Lemke (Sprecherin für Naturschutz) und ihre Kollegin Lisa Badum (Sprecherin für Klimaschutz) luden neben unserem Gast Rev. Bhagwan, der ein eindringlichen Appel zum Klimaschutz präsentierte, zudem Prof. Hans-Otto Pörtner, vom Weltklimarat und Autor des IPCC-Berichts, Dr. Gerd Kraus, vom Thünen Institut für Seefischerei sowie Thilo Maack von Greenpeace.
Prof. Pörtner konnte ausgiebig vom zwei Tage zuvor veröffentlichten IPCC- Sonderbericht berichten, den er maßgeblich mit geschrieben hat, Dr. Gerd Kraus zeigte mit seiner Präsentation die jetzt schon vorhandenen Auswirkungen des Klimawandels für die Fischbestände in Nord-und Ostsee, Thilo Maack betonte, dass die Ozeane die größten Verbündeten im Klimawandel seien und gab einen Überblick über die rechtliche Situation der Ozean-Schutzgebiete. 

                 

Den Auftakt zu den öffentlichen Veranstaltungen mit Rev. James Bhagwan bildeten öffentliche Vorträge im Zuge der 11. Hamburger Klimawoche. Schon der Eröffnungsgottesdienst der Klimawoche, laut Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) die größte europäische Klimakommunikationsveranstaltung, wurde per Video-Botschaft von Rev. James Bhagwan mitgestaltet:

 

Der Ozeanien-Dialog hatte vom 28.09.-29.09.2019  einen Stand auf der Greenworld Tour Messe, die um den St. Petri-Kirchenplatz herumführte.  Ziemlich nah an den historischen Kirchenmauern konnten die Besucher sich mittels der Ausstellung „Land unter im Pazifik – die Folgen des globalen Klimawandels für die pazifischen Inselstaaten“ entsprechend informieren, Materialien mitnehmen oder Gespräche führen.

              

Neben dem Vortrag von Rev. James Bhagwan A Pacific Call for Climate Justice in den Gemeinderäumen der St. Petri Kirche war die Diskussionsveranstaltung Voyaging through the Rising Seas to the Island of Hope, im großen 360Grad-Zelt der Klimawoche auf dem Hamburger Rathausmarkt, ein absolutes Highlight der 
Tour.

 

 

Eröffnet hatte James Bhagwan die Klimawoche per Videobotschaft aus Fidschi, beim Abschlussgottesdienst konnte er selbst vor Ort sein und mit einer persönlichen Botschaft und einem erneuten Appel für engagierten Klima- und Meeresschutz die Woche abschließen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachfolgend noch einige Eindrücke von öffentlichen Diskussionsveranstaltungen im Rahmen der Tour Ozeane in der Klimakrise aus Berlin, Kiel, Bremen und Hamburg:

    

    

 

Mehr Informationen:

Weltklimarat/IPCC

Pacific C0nference of Churches

Fair Oceans

 

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