{"id":3417,"date":"2021-01-13T15:27:14","date_gmt":"2021-01-13T14:27:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/?p=3417"},"modified":"2021-01-13T15:29:25","modified_gmt":"2021-01-13T14:29:25","slug":"zum-schutz-der-ozeane-brauchen-wir-ein-radikal-anderes-verstaendnis-von-entwicklung-und-die-anerkennung-der-werte-unserer-kulturen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/?p=3417","title":{"rendered":"\u201eZUM SCHUTZ DER OZEANE BRAUCHEN WIR EIN RADIKAL ANDERES VERST\u00c4NDNIS VON ENTWICKLUNG UND DIE ANERKENNUNG DER WERTE UNSERER KULTUREN\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Gespr\u00e4ch mit <strong>Rev. James Bhagwan, Generalsekret\u00e4r der Pazifischen Konferenz der Kirchen<\/strong>, \u00fcber den steigenden Meeresspiegel, klimabedingte Migration, Spiritualit\u00e4t und Widerst\u00e4ndigkeit im Pazifik. 2019 war Rev. Bhagwan Gastreferent auf einer von Fair Oceans, Brot f\u00fcr die Welt, dem Ozeanien-Dialog und weiteren Partnern organisierten Rundreise zu den Auswirkungen des marinen Klimawandels im Pazifik anl\u00e4sslich der Ver\u00f6ffentlichung des Sonderberichts zu den Ozeanen und der Kryosph\u00e4re des Weltklimarats.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pastor Bhagwan, Sie beobachten seit vielen Jahren, wie die Klimakrise den Lebensraum und das Leben der Menschen auf den Pazifikinseln ver\u00e4ndert. Haben Sie eine pers\u00f6nliche Beziehung zum Meer?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pastor Bhagwan:<\/strong> Ja, ich verbringe viel meiner privaten Zeit auf dem Meer und am Strand. Schauen Sie, das Bild hinter mir, da k\u00f6nnen Sie es sehen: Ich bin ein begeisterter Stand Up Paddler und arbeite ehrenamtlich f\u00fcr die Fiji Islands Tradional Voyaging Society. Wir versuchen dort gemeinschaftlich das Wissen um den traditionellen Kanubau und das Navigiationswissen in der Seefahrt am Leben zu erhalten und an j\u00fcngere Generationen weiterzugeben. Der Ozean ist ein guter Lehrer \u00fcber die Zeitlosigkeit und die Zeitlichkeit und den Rhythmus, der dazwischen den Takt angibt.<\/p>\n<p>Wenn man auf den pazifischen Inseln aufw\u00e4chst, ist es sehr schwer, sich des Klimawandels nicht bewusst zu sein. Als ich ein Kind war, kannten wir extreme Wetterlagen wie Wirbelst\u00fcrme und \u00dcberschwemmungen, aber das kam eher selten vor. Die Zeiten extremer Wetterverh\u00e4ltnisse haben sich verschoben. Fr\u00fcher erlebten wir Wirbelst\u00fcrme in der Zeit von November bis Ende M\u00e4rz. Jetzt k\u00f6nnen wir davon ausgehen, dass die Saison schon im September beginnt und bis Mai anh\u00e4lt. Extreme Wetterereignisse wie El Ninjo und La Ninja intensivieren sich. Das kann man kann gar nicht \u00fcbersehen. Wenn Sie an den Strand gehen, wenn Sie am Wochenende oder im Urlaub mit Ihren Freunden oder Ihrer Familie ans Meer fahren, k\u00f6nnen Sie die Folgen der Erw\u00e4rmung des Meereswassers und das Absterben der Korallen beobachten. Die Korallen wachsen langsamer oder verschwinden, und man sieht sehr viel mehr Algen als fr\u00fcher.<\/p>\n<p>Allgemein kann man sagen, dass sich der Zustand sensibler \u00d6kosysteme wie der von Mangrovenw\u00e4ldern, Seegraswiesen und Korallenriffen in den letzten Jahren verschlechtert hat. Als jemand, der viel Zeit mit dem Meer verbringt, kann ich meine Augen davor nicht verschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Was sind die Folgen des Klimawandels f\u00fcr das Leben der Menschen, die vom Meer abh\u00e4ngig sind?<\/strong><\/p>\n<p>Denken Sie nicht auch, wie viele Leute aus dem Westen, dass wir auf den Fidschi-Inseln in einem Paradies leben? Aber schauen wir uns das einmal genauer an.<\/p>\n<p>Die Hauptinseln Viti Levu und Vanua Levu und andere gr\u00f6\u00dfere Inseln sind vulkanischen Ursprungs, die kleineren sind Korallenatolle. Im Laufe der Generationen, die wir an diesen Orten siedelten, sind unsere H\u00e4user, die traditionell oft aus Holz und Strohdach bestanden, zu H\u00e4usern aus Beton geworden. Wenn das Meer steigt, werden die Inseln immer schmaler, da das Meer beginnt, das Land zu verschlingen. Auf den gr\u00f6\u00dferen Inseln kann man sich davor sch\u00fctzen und ins Landesinnere ziehen. Wenn man jedoch auf einer kleinen Atoll-Insel lebt, ist der Radius begrenzt. Schaut man sich die Bilder aus der Luft an, sieht man, dass die Landstreifen, auf denen die Menschen leben, immer schmaler werden. Sie k\u00f6nnen sich auch nicht w\u00e4hrend einer Sturmflut wie auf einer gr\u00f6\u00dferen Insel auf einen Berg retten. Und manchmal, wenn die Wellen \u00fcber die Insel schwappen, dringt Meereswasser in die S\u00fc\u00dfwasserreservate, und das ist nat\u00fcrlich schlecht f\u00fcr das Pflanzenwachstum und die Ern\u00e4hrungssicherheit.<\/p>\n<p><strong>Bedeutet der Klimawandel, dass Menschen wegziehen, weil sich die Lebensbedingungen verschlechtern?<\/strong><\/p>\n<p>In der pazifischen Kultur ist es \u00fcblich, nach der Geburt eines Kindes die Nabelschnur mit einem Baumsetzling, manchmal von einer Kokospalme, in der Erde zu vergraben. Dies dr\u00fcckt symbolisch die starke Bindung dieses Menschen zu dem Land aus. Jedoch wir als Inselbewohner im Pazifik nehmen das Land nicht \u2013 wie im westlichen Sinne \u2013 in Besitz. Wir betrachten unsere Identit\u00e4t als Teil des Meeres, als Teil des Landes. Tats\u00e4chlich existiert das Selbst in den meisten traditionellen pazifischen Inselkulturen nicht. Wir existieren in Gemeinschaft. Wir existieren als Teil der nat\u00fcrlichen Umwelt, die das Land, das Meer, den Himmel und die gesamte Sch\u00f6pfung umfasst. Unsere traditionelle Spiritualit\u00e4t ist eine auf die Sch\u00f6pfung ausgerichtete Spiritualit\u00e4t. Und nun stellen Sie sich das Trauma vor, eine Person dazu zu zwingen, das Land, mit dem sie so stark verbunden ist, zu verlassen und an einen anderen Ort zu ziehen.<\/p>\n<p><strong>Es ist das Land der Ahnen, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, unsere Vorfahren sind hier begraben. Wie kann man einen Ort verlassen, wenn man sechzig oder siebzig Jahre alt ist und vielleicht ein Familienmitglied auf diesem Fleck Erde begraben hat? Man kann das vielleicht mit der Situation von Gefl\u00fcchteten vergleichen, die aus einer Konfliktregion fliehen mussten. Aber es gibt doch einen Unterschied. Wenn sich die Situation in L\u00e4ndern wie Syrien, Afghanistan irgendwann einmal, vielleicht ein, zwei Generationen sp\u00e4ter, verbessert hat, k\u00f6nnen die Menschen theoretisch zur\u00fcckkehren und sich ein neues Leben aufbauen. Die Menschen im S\u00fcdpazifik werden niemals an ihre fr\u00fcheren Orte zur\u00fcckkehren, weil es diese Ort nicht mehr geben wird. Das Meer verschlingt sie. Deshalb m\u00fcssen wir \u00fcber eine Form der Migration sprechen, wie sie der Klimawandel verursacht.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber ein Drittel der Weltsprachen werden im Pazifik gesprochen, oder? Wie wirkt sich die kulturelle Vielfalt auf die Migration aus?<\/strong><\/p>\n<p>In unserer Region haben wir in Relation zur Bev\u00f6lkerungszahl eine gro\u00dfe Vielfalt der Sprachen und Kulturen. Auf den gr\u00f6\u00dferen Inseln, zum Beispiel auf Papua-Neuguinea, sprechen Menschen in einem Dorf eine v\u00f6llig andere Sprache als im Nachbardorf, nicht im Sinne von Abweichungen in Form von Dialekten. Es sind v\u00f6llig andere Sprachen. Das erschwert Migrationsbewegungen. Vielleicht sind die Kulturen \u00e4hnlich, doch nicht immer ist es so. Die Menschen, die auf den niedrigen Korallen-Inseln leben, haben naturgem\u00e4\u00df eine st\u00e4rkere Beziehung zum Ozean. Die Menschen auf den gr\u00f6\u00dferen Inseln haben eine st\u00e4rkere Beziehung zum Land entwickelt. Wenn man Menschen, deren Alltagskultur mit dem Meer verbunden ist, sagt, ihr m\u00fcsst auf einen Berg im Landesinneren steigen \u2026 wie wirkt sich das auf ihre Identit\u00e4t aus, ihr Weltverst\u00e4ndnis, ihre Weltsicht, ihre Spiritualit\u00e4t, die alles beeinflusst. Ihre ganze Lebensweise kann sich dann \u00e4ndern. Nicht zuletzt sind diese Kulturen in ihrer Existenz bedroht, weil sie vollst\u00e4ndig verschwinden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>Worin sehen Sie die Herausforderungen bezogen auf Migration aufgrund von Klimawandel?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist eine Diskussion, von der wir wissen, dass wir sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter f\u00fchren werden. Deshalb ist es besser, sie jetzt zu f\u00fchren, als dass sie zu einem Thema wird, das sich verselbst\u00e4ndigt. Es gibt ein paar wichtige Dinge, die es zu ber\u00fccksichtigen gilt. Zum einen m\u00fcssen wir verstehen, dass Menschen ein Trauma erleiden k\u00f6nnen, wenn sie ihre Heimat verlassen m\u00fcssen. Das zweite ist die Herausforderung, an einen neuen Ort zu gehen und von der Gemeinschaft dort akzeptiert zu werden. Nicht als ein Gast, nicht als ein Fl\u00fcchtling, nicht als ein R\u00fcckkehrer, sondern als eine Person, die sich dort auf Dauer niederlassen will. Das ist eine ganz andere Sache.<\/p>\n<p>F\u00fcr Fidschi und die pazifischen Inselstaaten bildet der Ozean die zentrale Grundlage f\u00fcr unseren Lebensunterhalt, unsere Ern\u00e4hrungssicherheit und unsere Wirtschaft. Wir m\u00fcssen aber auf die Frage der nationalen Grenzen und des m\u00f6glichen Verlusts von Teilen unserer Ausschlie\u00dflichen Wirtschaftszonen zu sprechen kommen. Wenn der Meeresspiegel ansteigt, werden nach und nach die Felseninseln verschwinden, welche die Ausdehnung unserer Ausschlie\u00dflichen Wirtschaftszonen bestimmen. Damit steht im Raum, inwiefern mit dem Untergang der Inseln auch unsere Ausschlie\u00dflichen Wirtschaftszonen schrumpfen werden oder ob f\u00fcr die Folgen des Klimawandels im Seerecht Sonderklauseln eingef\u00fchrt werden. Einige L\u00e4nder sprechen davon, Klimafl\u00fcchtlinge aufzunehmen und den Menschen zu erlauben, in ihren L\u00e4ndern zu arbeiten, aber sie verbinden dieses Angebot mit der Bedingung, dass sie Rechte zur Nutzung unserer Ausschlie\u00dflichen Wirtschaftszonen erhalten. In negativer Weise wird von solchen Vereinbarungen die handwerkliche Fischerei betroffen sein. Sie werden die Verlierer sein. Dies sind komplexe Fragen im Zusammenhang mit der vom Klima bedingten Migration. Deshalb m\u00fcssen wir jetzt ein Gespr\u00e4ch miteinander f\u00fchren. Tats\u00e4chlich arbeiten die Kirchen, die Zivilgesellschaft, die Regierungen wie auch die UN zusammen, um zu versuchen, einen pr\u00e4ventiven Aktionsplan aufzustellen.<\/p>\n<p><strong>Hat die aktuelle Corona-Krise Einfluss auf diese Fragen?<\/strong><\/p>\n<p>COVID 19 fordert die internationale Gemeinschaft heraus. Was haben wir durch COVID gelernt? Geld, Nahrung, all diese Dinge sind wichtig, Wichtiger jedoch ist die soziale Interaktion. Wichtiger ist die Spiritualit\u00e4t. Wichtiger ist die Familie. Auf den Fidschi-Inseln ist die Tourismusindustrie zusammengebrochen. Die Menschen hier zog es wie in den meisten L\u00e4ndern in die urbanen Gebiete. Jetzt erleben wir eine Umkehrung. In der Stadt braucht man f\u00fcr alles M\u00f6gliche Geld. Im Dorf kann man seine Nahrung selbst anbauen, kochen, mit den Menschen zusammenleben.<\/p>\n<p>Wir werden uns gerade dar\u00fcber bewusst, dass unsere Widerstandsf\u00e4higkeit von unserem indigenen Wissen, unserer indigenen Weisheit, unserer indigenen Wissenschaft, unserer indigenen Art, Dinge zu tun, herr\u00fchrt. Wir sind allerdings durchaus in der Lage, eine Art Harmonie zwischen unserer indigenen Art, Dinge zu tun, und der hochentwickelten Technologie des 21. Jahrhunderts herzustellen. Als ich letztes Jahr in Deutschland war, habe ich bei einer Reihe von Veranstaltungen gesagt, dass dies einer der Vorteile ist, die wir in Ozeanien haben. Obwohl wir mit dem Klimawandel konfrontiert sind, obwohl wir diese Auswirkungen jeden Tag sehen, sind wir widerstandsf\u00e4hige Menschen.<\/p>\n<p><strong>Warum? Welchen Weg haben Sie eingeschlagen? Was machen Sie anders?<\/strong><\/p>\n<p>Hier lehrt man uns: Wenn man eine Pflanze oder einen Baum erntet, dann ist es besser, direkt eine\/n oder zwei neue zu pflanzen. Wir sehen den Einfluss, den die Konsumkultur auf uns hat, wenn wir denken, dass es besser ist, alles heute zu verbrauchen, weil es morgen vielleicht nicht mehr verf\u00fcgbar sein wird. Dies geschieht, sobald wir uns nur auf die s\u00e4kularen Aspekte unseres Lebens konzentrieren.<\/p>\n<p>In der pazifischen Welt finden wir gerade wieder dazu, einen spirituellen Weg in tiefer Verbundenheit mit der Erde zu gehen. Wir haben die Notwendigkeit erkannt, unsere Ozeane und unser Land zu sch\u00fctzen, nicht nur, um unsere Lebensgrundlagen zu sch\u00fctzen, sondern auch, um das zu sch\u00fctzen, was ein Teil von uns ist. Die Blue Economy betrachtet den Ozean als eine wirtschaftliche Ressource. Was ist der Wert der Mineralien im Ozean? F\u00fcr wie viel Geld kann ich sie verkaufen? Doch dieser materielle Wert steht im Widerspruch zu zwei anderen Werten: erstens zu dem Wert, der den Ozeanen innewohnt. Der Ozean ist voller Leben. Er ist Teil des regulierenden Systems des Erdklimas. Wir beginnen, unsere Argumente auf dieser Einsicht zu gr\u00fcnden, und wir beginnen, die Auswirkungen zu erkennen. Wir m\u00fcssen mehr \u00fcber die Belastung der Meere sprechen. Die Ozeane nehmen erhebliche Mengen Kohlendioxid auf und schlucken damit einen gro\u00dfen Teil der vom Menschen freigesetzten Treibhausgase. Das Meer speichert mehr Kohlenstoff als die Atmosph\u00e4re und der terrestrische Teil der Biosph\u00e4re. Wenn wir von Blue Carbon, dem sogenannten \u201eblauem Kohlenstoff\u201c sprechen, meinen wir, dass die Ozeane und K\u00fcsten\u00f6kosysteme in der Lage sind, gro\u00dfe Mengen Kohlenstoff zu speichern. Der Ozean liefert auch Leben f\u00fcr euch in Deutschland.<\/p>\n<p><strong>Wie k\u00f6nnen Sie diese Botschaft an die internationale Gemeinschaft weitergeben?<\/strong><\/p>\n<p>Schaut man sich die Klimastreiks und die Widerstandsbewegung um Greta Thunberg und andere an, dann wird deutlich, dass die Aktivisten das Ende des neoliberalen Kapitalismus fordern, um mehr Klimagerechtigkeit zu erreichen. Das mag radikal klingen. Aber die Klimaaktivisten m\u00fcssen echte Alternativen anbieten, damit sie glaubw\u00fcrdig sind.<\/p>\n<p>Im pazifischen Raum haben die Kirchen, die \u00c4ltesten der Gemeinschaften, die die H\u00fcter des indigenen Wissens sind, und Denker und Denkerinnen ein Konzept entwickelt, das wir einen \u00f6kologischen Entwicklungsrahmen nennen. Unter den Bedingungen von COVID 19 haben wir uns intensiv mit diesen Fragen besch\u00e4ftigt. Unser Konzept stellt die \u00d6kologie in den Mittelpunkt und bedeutet auf lange Sicht einen Paradigmenwechsel, ein radikal anderes Verst\u00e4ndnis von Entwicklung und die Anerkennung die Bedeutung unserer Kulturen und Ressourcen f\u00fcr den vor uns liegenden Entwicklungsweg.<\/p>\n<p>Die Publikation Ecological-Economic Accounts. Towards intemerate values von Arnie Saiki wurde im August 2020 ver\u00f6ffentlicht und bringt es auf den Punkt:<\/p>\n<p>\u201eCOVID-19 bietet die Gelegenheit, unsere Entwicklungsstrategie zu \u00fcberdenken und einen neuen und anderen wirtschaftlichen Kurs einzuschlagen. Die Isolierung der Pazifikinseln, die oft als Hemmnis f\u00fcr die Entwicklung bezeichnet wurde, ist in Wirklichkeit einer der Gr\u00fcnde, warum unter den zw\u00f6lf L\u00e4ndern, die COVID-19-frei sind, zehn aus Ozeanien sind. Es liegt nun an unseren Staats- und Regierungschefs und politischen Entscheidungstr\u00e4gern, nicht nur alternative \u00f6konomische Pfade zu entwerfen, vielleicht durch die Schaffung einer eigenen Wirtschaftsunion, sondern auch einen \u00f6kologischen Ansatz zu verfolgen, der es erlaubt, diesen Erfordernissen Rechnung zu tragen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen die gesamten Kosten der Entwicklung sehen, einschlie\u00dflich der Bewahrung unserer kulturellen Werte, des sozialen Wohlstandes und der Erhaltung der Umweltqualit\u00e4t, und nicht nur den Beitrag, den sie zum Bruttosozialprodukt leistet. Es wird Mut und Entschlossenheit erfordern, es zu riskieren, anders zu sein, aber wir auf den Pazifikinseln sind anders. Unsere einzigartigen kulturellen Werte, Traditionen, die Abh\u00e4ngigkeit von der Natur, die uns umgibt, und die Verwundbarkeit der Umwelt machen es unausweichlich, dass wir eine andere Perspektive darauf einnehmen, wie wir unsere Entwicklung verstehen.<\/p>\n<p>Die Forderung nach einer \u00f6kologischen Wirtschaftsweise ist zeitgem\u00e4\u00df und angemessen. Es ist eine Idee als auch ein Appell, deren Umsetzung eigentlich l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig ist.\u201c<\/p>\n<p><strong>Inwieweit war die Verlangsamung des ganzen Lebens durch die Coronavirus-Pandemie eine gute Sache? Sie und andere sprechen von einer \u201eNeuen Normalit\u00e4t\u201c. Was bedeutet das?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Phase der umfassenden Abriegelungen des \u00f6ffentlichen Lebens hat uns im gleichen Atemzug dazu gebracht, unsere Werte neu zu gewichten: mehr Zeit f\u00fcr die Familie, wenn auch erzwungen; eine R\u00fcckkehr zu den traditionellen indigenen Praktiken der Ern\u00e4hrungssicherheit f\u00fcr diejenigen, die ihre Arbeit oder ihr Einkommen verloren haben; die Wiedereinf\u00fchrung von Tauschsystemen in einigen Gemeinden.<\/p>\n<p>Was die Spiritualit\u00e4t anbelangt, so waren wir innovativ, indem wir angepasste Technologien benutzt haben; und indem wir Hausgottesdienste feierten, haben wir die Spiritualit\u00e4t in der Familie best\u00e4rkt. Neue Wege des Arbeitslebens, der Vernetzung und der Interaktion werden genutzt. Wir haben begonnen zu erkennen, worauf wir verzichten k\u00f6nnen und was f\u00fcr uns wichtig ist. Individualismus und Materialismus nehmen ab, w\u00e4hrend die Beziehungen untereinander und positive traditionelle Werte und Spiritualit\u00e4t zunehmen.<\/p>\n<p>Der Ruf nach Visionen, nach Tr\u00e4umen und der Artikulation einer Neuen Normalit\u00e4t kann als ein Kairos-Moment gesehen werden. Als ein Knotenpunkt, an dem die Str\u00f6mungen des \u201eNeuwebens einer \u00f6kologischen Matrix\u201c, des \u201eNeu-Denkens des bisherigen Entwicklungskurses\u201c und des \u201eNeu-Denkens des Blauen Pazifiks\u201c auf die Verwerfungen einer globalen Pandemie treffen. Aber auch auf eine wachsende Bewegung des Umdenkens in Hinblick auf Kapitalismus und Materialismus als Antwort auf die Klimakrise und auf den Ruf nach \u00f6kologischer Umkehr als Antwort auf die weit verbreitete Zerst\u00f6rung des \u00d6kosystems unseren Planeten.<\/p>\n<p><strong>Rev. Bhagwan, Vielen Dank f\u00fcr Ihre Zeit!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ein Gespr\u00e4ch mit Rev. James Bhagwan, Generalsekret\u00e4r der Pazifischen Konferenz der Kirchen, \u00fcber den steigenden Meeresspiegel, klimabedingte Migration, Spiritualit\u00e4t und Widerst\u00e4ndigkeit im Pazifik. 2019 war Rev. 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