{"id":2848,"date":"2019-09-19T10:20:51","date_gmt":"2019-09-19T08:20:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/?p=2848"},"modified":"2019-09-19T10:32:37","modified_gmt":"2019-09-19T08:32:37","slug":"the-fight-is-not-over-der-pazifik-bleibt-das-globale-versuchsfeld-fuer-den-run-auf-die-schaetze-der-tiefsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/?p=2848","title":{"rendered":"The Fight is not over! Der Pazifik bleibt das globale Versuchsfeld f\u00fcr den Run auf die Sch\u00e4tze der Tiefsee"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Entscheidung in Papua-Neuguinea, einem aus \u00f6kologischer und sozialer Perspektive v\u00f6llig ungeeignetem Ort, das weltweit erste kommerzielle Tiefseebergbau &#8211; Vorhaben durchzuf\u00fchren, sorgt seit Jahren f\u00fcr massiven Protest. <\/strong><strong>Nun steht diese erste kommerzielle Mine am Meeresboden \u2013 genannt Solwara 1 &#8211; vor dem Aus. Der Widerstand in Ozeanien gegen die experimentellen Gro\u00dfprojekte aber lebt und braucht weiterhin internationale Unterst\u00fctzung.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Geplant als Einstiegsprojekt, als T\u00fcr\u00f6ffner f\u00fcr den globalen Raubbau an der Tiefsee steht in Papua-Neuguinea das weltweit erste kommerzielle Tiefseebergbauprojekt vor dem Scheitern. Das kanadische Unternehmen Nautilus Minerals, das noch in diesem Jahr das weltweit umstrittene Projekt in Betrieb nehmen wollte, das bereits die riesigen Maschinen ins Land brachte und das F\u00f6rderschiff bauen lie\u00df, ist zahlungsunf\u00e4hig. Ohne je in Betrieb genommen worden zu sein ist die lang geplante Mine am Meeresgrund vor der K\u00fcste Neuirlands aber schon jetzt ein Symbol in doppelter Hinsicht.<\/p>\n<p>Zum einen Symbol f\u00fcr die imperiale, zerst\u00f6rerische und ungerechte Wirtschaftsweise der Industriel\u00e4nder. Die Risiken des Meeresbodenbergbaus, mit denen sich die Menschen in Papua-Neuguinea und bald auch auf den Cook Islands, den Salomonen, Tonga, Fidschi und den anderen pazifischen Inseln ausgesetzt sehen, sind unmittelbar verbunden mit den Folgen des Wirtschaftens im globalen Norden. Denn die Tiefseemineralien sollen nicht nur ein profitables Gesch\u00e4ft f\u00fcr die Unternehmen und Investoren abgeben. Sie werden angepriesen als L\u00f6sung weltweiter Ressourcenknappheit. Mit den weiterhin hohen Begehrlichkeiten nach neuen Rohstoffquellen und den geringen Ertr\u00e4gen aus terrestrischen Lagerst\u00e4tten r\u00fccken die marinen mineralischen Rohstoffe der Ozeane und Meere zunehmend in den Fokus.<\/p>\n<p>Zum anderen ist Solwara 1 ein Symbol f\u00fcr die Bedeutung und den Einfluss von lokalen Initiativen, indigenen Dorfgemeinschaften, Nichtregierungsorganisationen und Kirchen im Widerstand gegen Umweltzerst\u00f6rung und fremdbestimmte Entwicklung in Ozeanien. Pl\u00e4ne zum Abbau von Mineralien am Meeresgrund und die Lizenzvergabe an Nautilus Minerals vor mehr als 10 Jahren f\u00fchrten in Papua-Neuguinea fr\u00fch zu vielf\u00e4ltigen und stets anwachsenden Protesten. Negative Auswirkungen auf die K\u00fcsten\u00f6kosysteme und auf die Fischgr\u00fcnde, die f\u00fcr die Ern\u00e4hrung der Bev\u00f6lkerung unverzichtbar sind, werden bef\u00fcrchtet. Diesem Widerstand und dem Ruf nach einem Verbot von Tiefseebergbau schlossen sich nationale und regionale Umwelt- und Entwicklungsorganisationen genau wie Kirchen an \u2013 seit Jahren auch hier in Europa.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tiefseebergbau &#8211; neue Bedrohung f\u00fcr Mensch und Natur<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten zehn Jahren hat ein regelrechtes Wettrennen um die Mineralvorkommen am Meeresgrund eingesetzt. Dutzende von Erkundungslizenzen sind mittlerweile von pazifischen Inselstaaten an Konzerne vergeben worden.<\/p>\n<p>Denn in den Ozeanen lagern am Meeresboden gro\u00dfe Mengen wertvoller Rohstoffe. Industrie und Politik \u2013 auch in Deutschland \u2013 versprechen sich davon, den zuk\u00fcnftigen Rohstoffbedarf f\u00fcr neue und alte Technologien preisg\u00fcnstig zu decken. Auch wenn international derzeit ein Regelwerk zum Abbau der Tiefseemineralien verhandelt wird, gibt es weltweit gro\u00dfe Bedenken, das Risiko \u00fcberhaupt einzugehen.<\/p>\n<p>Dem Pazifik und insbesondere den s\u00fcdpazifischen Inselstaaten kommt bei diesem Wettrennen eine Schl\u00fcsselrolle zu.\u00a0 Ihre riesigen, exklusiven Wirtschaftszonen verf\u00fcgen \u00fcber wertvolle Mineralienvorkommen am Meeresgrund, auf international m\u00fchsam verhandelte Regeln muss man hier, im souver\u00e4nen Gebiet der Inselstaaten, nicht warten. Ausl\u00e4ndische Investoren und Unternehmen, aber auch internationale Institutionen wie die EU Kommission oder die UN-Meeresbodenbeh\u00f6rde versprechen den pazifischen Regierungen sprudelnde Einnahmen f\u00fcr die stets klammen Staatskassen. \u201eBlaues Wachstum\u201c nennt sich das Konzept, das Nachhaltigkeit und Nutzung der Meeresressourcen vereinen m\u00f6chte. Tiefseebergbau aber besch\u00e4digt potenziell nachhaltige Wirtschaftszweige der pazifischen Inselstaaten: Kleinfischerei, exportorientierte Fischwirtschaft und Tourismus und tr\u00e4gt so nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung bei, sondern f\u00fchrt zu wirtschaftlicher Ausbeutung, Zerst\u00f6rung von Lebensgrundlagen und Biodiversit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lokaler Protest \u2013 globale Dimension<\/strong><\/p>\n<p>Das Beispiel Papua-Neuguinea zeigt bereits ohne Bergbau am Meeresgrund, dass extraktive Industrien einhergehen mit massiven Umweltsch\u00e4den, sozialen Verwerfungen, einer zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich, hoher Korruption und gravierenden Menschenrechtsverletzungen. Die negativen Erfahrungen mit Bergbau an Land, insbesondere im Hochland, sind ein wichtiger Grund f\u00fcr den vehementen Widerstand der K\u00fcstenbev\u00f6lkerung gegen den geplanten Abbau in der Tiefsee. Versprechen von Wohlstand und Fortschritt durch extraktive Gro\u00dfprojekte glaubt hier kaum jemand mehr. Entwicklung, insbesondere von au\u00dfen kommend, wird zunehmend als Bedrohung betrachtet.<\/p>\n<p>Proteste in Form von Demonstrationen, gerichtlichen Klagen, Unterschriftenaktionen und politischer Lobbyarbeit f\u00fchrten bereits dazu, dass das kanadische Unternehmen Nautilus Minerals das geplante Abbaugebiet mehrfach verschieben musste und nun \u2013 zumindest in der Bismarcksee \u2013 vor dem Aus steht. Ein Erfolg, den sich vor allem die Alliance of Solwara Warriors<em>,<\/em> ein Zusammenschluss von lokalen AktivistInnen, KirchenvertreterInnen, Fischern und K\u00fcstenbewohnerInnen in Papua-Neuguinea mit dem Ziel, die f\u00fcr sie so wichtigen nat\u00fcrlichen Ressourcen zu sch\u00fctzen und Tiefseebergbau zu verhindern, auf die Fahnen schreiben k\u00f6nnen. Die Gruppe ist zu Recht stolz auf das Erreichte, stolz darauf, dass \u00fcberwiegend dezentraler, grassroots \u2013 Protest mit kleinem Budget erreichen konnte, dass Meeresbodenbergbau als neue Industrie bereits vor dem Start als das was es ist \u2013 als bedrohliches Experiment \u2013 diskreditiert ist. Unterst\u00fctzung und Solidarit\u00e4t erhalten die Solwara Warriors aus der gesamten Region, aus Australien, den USA, Kanada und Europa.<\/p>\n<p>\u201eThe fight is not over\u201c ist ein h\u00e4ufiger Satz, wenn man AktivistInnen in Ozeanien dieser Tage ins Gespr\u00e4ch kommt. Solwara 1 in Papua-Neuguinea mag vorerst gescheitert sein, die Abbaulizenz, die das Unternehmen Nautilus Minerals unter intransparenten Voraussetzungen vom Staat erhielt, bleibt aber bestehen und droht gemeinsam mit den Maschinen an das meistbietende Unternehmen verkauft zu werden. Daher denken die Protestierenden gar nicht daran sich auf dem Erreichten auszuruhen. Ein Gegner scheint vorerst geschlagen, weitere werden kommen. Der Widerstand gegen Tiefseebergbau im Pazifik hat gerade erst begonnen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-2852 size-large\" src=\"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Protest_Bagabag-1024x577.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"577\" srcset=\"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Protest_Bagabag-1024x577.jpg 1024w, https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Protest_Bagabag-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Protest_Bagabag-768x433.jpg 768w, https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Protest_Bagabag-540x304.jpg 540w, https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Protest_Bagabag-352x198.jpg 352w, https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Protest_Bagabag-360x204.jpg 360w, https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Protest_Bagabag.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p><strong>Der Widerstand hat gerade erst begonnen<\/strong><\/p>\n<p>Im Gegensatz zu ihrem friedlichen Image erlebt die Pazifische Inselregion zunehmend soziale, ethnische und politische Spannungen. Viele der Konflikte werden durch die Klimakrise und global organisierte, r\u00fccksichtslose Ausbeutung nat\u00fcrlicher Ressourcen und daraus resultierende Streitigkeiten bef\u00f6rdert, wenn nicht erst verursacht.<\/p>\n<p>Kommerzielle Ausbeutung der Ressourcen der Tiefsee mit ihren verheerenden Folgen f\u00fcr K\u00fcstenbewohnerInnen droht weiterhin genau hier, im Pazifik ihren Anfang zu nehmen: Neben dem weltweit ersten kommerziellen Tiefseebergbauprojekt vor Papua-Neuguinea, stehen unz\u00e4hlige in der gesamten Region weitere Projekte, Lizenzen und Unternehmen in den Startl\u00f6chern. Auch Deutschland hat sich bereits Lizenzen f\u00fcr Explorationen in pazifischen, internationalen Gew\u00e4ssern gesichert.<\/p>\n<p>Reist man in Ozeanien und kommt mit Menschen ins Gespr\u00e4ch \u00fcber (Tiefsee-)Bergbau, \u00dcberfischung oder die Klimakrise, wird einem schnell die eigene, europ\u00e4ische Verantwortlichkeit und Verantwortung klar. Unmittelbare Gefahren f\u00fcr Ern\u00e4hrungssicherheit und lokale Entwicklung (nicht nur) in diesem Teil der Welt sind die R\u00fcckseite eines nach wie vor kaum gebremsten Ressourcenverbrauchs in den Industriestaaten.<\/p>\n<p>Mit dieser Ungerechtigkeit finden sie die Alliance of Solwara Wariors nicht ab. Und mit ihnen viele Gemeinden, Nichtregierungsorganisationen und Kirchen entlang der Bismarck-See in Papua-Neuguinea und im gesamten Pazifik. Von ihrem lauten Widerstand und kreativen Kampagnen ist es abh\u00e4ngig, ob es neben dem Solwara 1 &#8211; Projekt und dem damit beschleunigten Einstieg in den Meeresbodenbergbau gelingt, Tiefseebergbau im gesamten Pazifik zu stoppen. Hierf\u00fcr brauchen unsere Partner internationale Unterst\u00fctzung vor allem aus den L\u00e4ndern, aus denen das Kapital, die Technologien und der \u00fcberh\u00f6hte Ressourcenverbrauch kommen, ohne die Tiefseebergbau nicht kurz davor w\u00e4re bedrohliche Realit\u00e4t zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entscheidung in Papua-Neuguinea, einem aus \u00f6kologischer und sozialer Perspektive v\u00f6llig ungeeignetem Ort, das weltweit erste kommerzielle Tiefseebergbau &#8211; Vorhaben durchzuf\u00fchren, sorgt seit Jahren f\u00fcr massiven Protest. Nun steht diese erste kommerzielle Mine am Meeresboden \u2013 genannt Solwara 1 &#8211; vor dem Aus. 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