{"id":2333,"date":"2018-10-19T11:43:49","date_gmt":"2018-10-19T09:43:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/?p=2333"},"modified":"2019-02-25T15:37:31","modified_gmt":"2019-02-25T14:37:31","slug":"solwara-1-symbol-des-widerstands-in-ozeanien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/?p=2333","title":{"rendered":"Solwara 1- Symbol des Widerstands in Ozeanien"},"content":{"rendered":"<p>In Papua-Neuguinea steht das weltweit erste kommerzielle Projekt im Tiefseebergbau kurz vor dem Start. Das kanadische Unternehmen Nautilus Minerals will in 1.600 m Meerestiefe Gold und Kupfer abbauen. Die Unterwassermine liegt nur 30 km vor der K\u00fcste, in der Bismarcksee, einer der artenreichsten und \u00f6kologisch bedeutsamsten Meeresregionen der Welt, die \u00fcberdies eng mit der Region des Korallendreiecks und seinen Riff- und Mangrovenlandschaften verbunden ist.<br \/>\nDie \u00fcberwiegend indigenen Gemeinschaften, die in der Bismarcksee fischen und auf vielf\u00e4ltigste Weise \u00f6konomisch und kulturell mit dem Meer verbunden sind, laufen Sturm gegen das Projekt. Die Grundlagen ihrer Lebensweise und ihrer Ern\u00e4hrungssicherheit sind unmittelbar bedroht. Unterst\u00fctzt von Kirchengemeinden, Frauenorganisationen, pazifischen NGOs und Solidarit\u00e4tspartnern in aller Welt wehren sie sich dagegen, zum Testfeld f\u00fcr eine neue, \u00f6kologisch brisante Gro\u00dftechnologie gemacht zu werden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In den letzten zehn Jahren hat ein regelrechtes Wettrennen um die unterseeischen Mineralvorkommen eingesetzt. Dutzende von Lizenzen sind mittlerweile von pazifischen Inselstaaten an Konzerne vergeben worden, die neue Tiefseebergbau-Projekte planen. W\u00e4hrend die internationale Gemeinschaft im Rahmen des Internationalen Seerechtsabkommens und der Nachhaltigen Entwicklungsziele um Rahmenbedingungen und Strategien f\u00fcr eine gerechte und verantwortliche Meeresnutzung ringt, werden vor der K\u00fcste der pazifischen Inselstaaten Fakten geschaffen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2334\" aria-describedby=\"caption-attachment-2334\" style=\"width: 431px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-2334\" src=\"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Solwara1.jpg\" alt=\"\" width=\"431\" height=\"478\" srcset=\"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Solwara1.jpg 626w, https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Solwara1-271x300.jpg 271w, https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Solwara1-487x540.jpg 487w\" sizes=\"(max-width: 431px) 100vw, 431px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2334\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: Brot f\u00fcr die Welt, Fair Oceans, 2018: Solwara 1, Bergbau am Meeresboden vor Papua-Neuguinea. Hintergr\u00fcnde, Folgen, Widerstand<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Keine schl\u00fcssigen Argumente f\u00fcr Tiefseebergbau<br \/>\n<\/strong>Die Bef\u00fcrworter dieser Gro\u00dftechnologie f\u00fchren im Wesentlichen drei Argumente daf\u00fcr ins Feld. Sie sei notwendig, um den global steigenden Ressourcenverbrauch zu befriedigen. Sie stelle eine \u00f6konomische Entwicklungschance f\u00fcr die betroffenen Regionen dar. Und die Tiefe des \u00f6kologischen Eingriffs sei geringer als beim Bergbau an Land, der Meeresbodenbergbau also die nachhaltigere Alternative.<br \/>\nKeines dieser Argumente ist stichhaltig. Meeresbodenbergbau ist nicht notwendig, um die k\u00fcnftige Nachfrage nach Metallen zu befriedigen. Bei Kupfer, das in Solwara 1 vor allem gewonnen werden soll, sind keinerlei Angebotsengp\u00e4sse zu erwarten. Tiefseebergbau lenkt Investitionen in die Ausweitung der Rohstoffbasis statt in den verantwortlichen Umgang mit Rohstoffen und den \u00dcbergang in eine materielle Kreislaufwirtschaft. Potenziell nachhaltige Wirtschaftszweige der pazifischen Inselstaaten werden besch\u00e4digt und blockiert: Kleinfischerei, exportorientierte Fischwirtschaft, Tourismus. Die Verlegung des Bergbaus ins Meer macht seine negativen \u00f6kologischen und sozialen Folgen weniger direkt sichtbar, aber langfristig umso gef\u00e4hrlicher.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-2341\" src=\"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Tool1.jpg\" alt=\"\" width=\"251\" height=\"231\" srcset=\"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Tool1.jpg 326w, https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Tool1-300x276.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 251px) 100vw, 251px\" \/>\u00a0<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-2343\" src=\"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Tool2.jpg\" alt=\"\" width=\"264\" height=\"231\" srcset=\"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Tool2.jpg 385w, https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Tool2-300x263.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/>\u00a0<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-2345\" src=\"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Tool3.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"231\" srcset=\"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Tool3.jpg 392w, https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Tool3-297x300.jpg 297w\" sizes=\"(max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/p>\n<p><strong>Die \u00f6kologischen Risiken f\u00fcr die Ozeane &#8211; indigene Rechte werden verletzt !<br \/>\n<\/strong>Meeresbodenbergbau wird zur Erh\u00f6hung des Schwermetallgehalts in der Nahrungskette und in den Weltmeeren f\u00fchren. \u00c4hnlich wie beim Verbrauch fossiler Energietr\u00e4ger findet Umweltbelastung im Zeitraffer statt: In Jahrmillionen entstandene Schwermetallsenken werden innerhalb k\u00fcrzester Zeit ge\u00f6ffnet und zumindest teilweise in die marine Umwelt freigesetzt. Das hat weitreichende \u00f6kologische Folgen, gef\u00e4hrdet die Ern\u00e4hrungssicherheit und die Fischwirtschaft der ganzen Region und perspektivisch die \u00d6kosysteme der Weltmeere. Wiederum \u00e4hnlich wie beim CO2 wird die Entwicklung schleichend sein und die Handlungsm\u00f6glichkeiten zuk\u00fcnftiger Generationen einengen.<br \/>\nDer Meeresboden ist keine leblose Fl\u00e4che. Ganz im Gegenteil. Die Schwarzen Raucher, die bei Solwara1 abgebaut und eingeebnet werden sollen, sind einzigartige Biosph\u00e4ren und Habitate. Die dort lebenden Arten sind bislang kaum erforscht. Die Vernichtung der Tiefseehabitate und Tiefseearten wird negativen Einfluss auf die Resilienz der Weltmeere gegen den Klimawandel haben, die genetischen Ressourcen verringern und einen kritischen Einfluss auf Nahrungsketten haben, die bis zur menschlichen Ern\u00e4hrung reichen. In k\u00fcrzester Zeit werden Arten aussterben, ohne dass Zeit war, ihre Bedeutung f\u00fcr die globale \u00d6kologie zu verstehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2336\" aria-describedby=\"caption-attachment-2336\" style=\"width: 546px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-2336\" src=\"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/TSB2.jpg\" alt=\"\" width=\"546\" height=\"584\" srcset=\"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/TSB2.jpg 749w, https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/TSB2-281x300.jpg 281w, https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/TSB2-505x540.jpg 505w\" sizes=\"(max-width: 546px) 100vw, 546px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2336\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: Brot f\u00fcr die Welt, Fair Oceans, 2018: Solwara 1, Bergbau am Meeresboden vor Papua-Neuguinea. Hintergr\u00fcnde, Folgen, Widerstand<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>\u00a0Solwara 1 w\u00e4re das weltweit erste Bergbauvorhaben in der Tiefsee<br \/>\n<\/strong>Solwara1 ist ein Einstiegsprojekt, ein T\u00fcr\u00f6ffner. Die Summen, die in die Entwicklung und den Bau der speziellen Abbautechnologie geflossen sind, rechnen sich nicht durch die Ausbeutung einer einzelnen Mine. Solwara 1 soll der Auftakt zu einer Ausweitung des Meeresbodenbergbaus auf viele weitere Fl\u00e4chen sein. Die Salomonen, Tonga, Kiribati und die anderen pazifischen Inseln haben ebenfalls bereits Lizenzen f\u00fcr den Meeresboden vergeben. Andere Projekte werden im Roten Meer vorangetrieben.<\/p>\n<p>Das Projekt Solwara 1 ist zum Symbol geworden. F\u00fcr die Kirchen in der s\u00fcdpazifischen Region sind der Tiefseebergbau und die damit verbundene soziale Frage inzwischen ein bedeutsames Thema geworden. Die internationale Zivilgesellschaft ist aufgefordert, den lokalen Widerstand in internationaler Solidarit\u00e4t zu unterst\u00fctzen. Der Fall Solwara 1 ist nicht zu trennen von der globalen Auseinandersetzung um den \u00dcbergang von einer zerst\u00f6rerischen und ungerechten Wirtschaftsweise zu einer nachhaltigen, solidarischen \u00d6konomie. Er ist Teil der Entscheidung, auf welche Weise wir die Ozeane und Meere zuk\u00fcnftig nutzen wollen; wie wir mit den nat\u00fcrlichen Ressourcen gerecht und verantwortlich umgehen; auf wen wir dabei h\u00f6ren werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mehr Informationen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ozeanien-dialog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Studie_Solwara1_BfdW.pdf\">Solwara 1 &#8211;\u00a0Bergbau am Meeresboden vor Papua-Neuguinea<br \/>\nHintergr\u00fcnde, Folgen, Widerstand<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/pages\/category\/Community\/Alliance-of-Solwara-Warriors-234267050262483\/\">Alliance of Solwara Warriors<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Papua-Neuguinea steht das weltweit erste kommerzielle Projekt im Tiefseebergbau kurz vor dem Start. Das kanadische Unternehmen Nautilus Minerals will in 1.600 m Meerestiefe Gold und Kupfer abbauen. 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